Liebe Leserinnen und Leser!

es ist ein Kuriosum der Übersetzungswissenschaft, dass auch auf diesem Gebiet die Rezeption wissenschaftlicher Werke durch ausstehende Übersetzungen erschwert ist – wer nicht auf Englisch schreibt, wird außerhalb des eigenen Sprachraums kaum gelesen. So mag es manchen wundern, wie rege im Nachbarland Frankreich Übersetzungswissenschaft betrieben wird, und zwar auf höchstem Niveau.

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Übers Übersetzen

Buchcover
Vera Elisabeth Gerling über
sieben Neuübersetzungen von Antoine de Saint-Exupérys Der kleine Prinz
Kaum ein Buch hat sich weltweit so sehr als Longseller bewährt wie Le Petit Prince von Antoine de Saint-Exupéry, das bereits in 270 Sprachen und Dialekte übersetzt wurde. Nachdem im Jahr 2014, also wie üblich siebzig Jahre nach dem Tod des Autors, die Veröffentlichungs- und Übersetzungsrechte gemeinfrei geworden sind, erschienen im laufenden Jahr allein sieben deutsche Neuübersetzungen in Buchform – Longseller machen sich wohl immer gut im Verlagsprogramm. Will man nun zu Weihnachten einen Kleinen Prinzen verschenken, steht man vor der Qual der Wahl. Und die Zeit ist knapp. ReLü hilft!

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Buchcover
Andrea Schmittmann sprach mit
Dieter E. Zimmer
über Unzuverlässigkeit als Übersetzungsproblem in Vladimir Nabokovs Lolita
Wie ist die Glaubwürdigkeit eines Erzählers zu beurteilen, wenn seine Version des Geschehens den einzigen Maßstab darstellt? In Vladimir Nabokovs Lolita wird diese Frage für den Leser unumgänglich – und damit auch für den Übersetzer. Dieter E. Zimmer spricht über die Geschichte der deutschen Lolita und erzählerische Unzuverlässigkeit als Übersetzungsproblem.

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Literatur

Buchcover
Elisabeth Scherer über
Südlich der Grenze, westlich der Sonne von Haruki Murakami
aus dem Japanischen neuübersetzt von Ursula Gräfe
Ein großer Streit im Literarischen Quartett begleitete die erste Übersetzung von Murakami Harukis Roman Gefährliche Geliebte im Jahr 2000. Schrieb dieser Bestsellerautor nun „sprachloses, kunstloses Gestammel“ oder handelte es sich dabei um einen „hoch erotischen Roman“? Eine Antwort darauf liefert Elisabeth Scherers Vergleich mit der 2013 erschienenen Neuübersetzung unter dem so überraschend anders klingenden Titel Südlich der Grenze, westlich der Sonne – von Ursula Gräfe direkt aus dem Japanischen übertragen.

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Buchcover
David Schahinian über
Der Fänger im Roggen von Jerome D. Salinger
aus dem amerikanischen Englischen von Irene Muehlon (1954), Heinrich Böll (1962) und Eike Schönfeld (2003).
Wie unterschiedlich ein und derselbe Roman übersetzt werden kann, zeigen die deutschen Fassungen von Jerome D. Salingers The Catcher in the Rye. Die ersten Übersetzungen von Irene Muehlon und Heinrich Böll waren sprachlich Kinder ihrer Entstehungszeit, doch wurde das vielen erst mit der aktuellen Übersetzung von Eike Schönfeld so richtig klar. Er nahm sich die nötigen kreativen Freiheiten, vor denen seine Übersetzerkollegen ihrerzeit aus verschiedenen Gründen noch zurückschreckten.

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Wissenschaft

Buchcover
Vera Viehöver über
Sourcier ou cibliste von Jean-René Ladmiral
Jean-René Ladmiral, der sich selbst als „letzten Überlebenden eines längst vergangenen, vordigitalen Erdzeitalters der Übersetzung“ sieht, gehört zu den Gründungsvätern der institutionalisierten Übersetzungswissenschaft in Frankreich. Der Band Sourcier ou cibliste (2014) versammelt Beiträge des Autors aus mehr als drei Jahrzehnten, die bislang zum Teil nur schwer auffindbar waren: die Bilanz eines leidenschaftlichen Kämpfers, der ein Übersetzen für die Leser fordert – scharf im Urteil gegen die Sakralisierung und Fetischisierung von literarischen Texten.

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Buchcover
Vera Viehöver über
Im Bergwerk der Sprache von Gabriele Leupold und Eveline Passet (Hg.)
Modalpartikeln, Dialogstrukturpartikeln, Abweichungen in Syntax oder Präpositionsgebrauch, aber auch Dialekte, Archaismen, Mischsprachen und Slang: Der von zwei renommierten Literaturübersetzerinnen herausgegebene Sammelband rückt in sprachhistorischer Perspektive jene kleinen Details ins Licht, die Philologen in früherer Zeit häufig als Regelverstöße verpönten, Übersetzer jedoch oft tagelang umtreiben.

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