Liebe Leserinnen und Leser!

wen lesen wir eigentlich, wenn wir Bücher lesen? In der Regel wird in der Rezeption von Literatur kein Unterschied gemacht zwischen deutschsprachigen Texten und solchen, die auf dem deutschen Buchmarkt als Übersetzung erscheinen. Häufig wird übersehen, dass wir eigentlich den Stil der deutschen Übersetzerinnen und Übersetzer meinen, wenn wir die ästhetische Qualität der Werke betrachten. Auch in der Literaturkritik wird die Übersetzung nur in seltenen Fällen wahrgenommen oder werden Übersetzernamen nicht einmal erwähnt.

Diese Lücke möchte ReLü füllen. Neben Rezensionen zu literarischen Texten, die bewusst im Hinblick auf ihre Übersetzung vorgestellt werden, erscheinen an dieser Stelle Besprechungen übersetzungswissenschaftlicher Werke und weitere Texte rund ums Übersetzen.

Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht die ReLü-Redaktion

Übers Übersetzen

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Johanna Czerny
zu Übersetzungsherausforderungen bei Videospielen
Bei Videospielen denken sicher die wenigsten als erstes an deren literarisches Potential. Tetris, Candy Crush & Co. bleiben nicht wegen ihrer geistreichen Wortwitze oder ausgefeilten Prosa in Erinnerung. Dennoch verfügt dieses Medium über eine außerordentliche Fähigkeit, durch Sprache, Bild, Ton und interaktive Elemente Geschichten zu erzählen, deren Übersetzung ganz eigene Herausforderungen mit sich bringt.

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Sabine Ruflair
zum Unterschied zwischen Lyrik und Lyrics aus Sicht einer Musicalübersetzerin
Als ich kürzlich im Rahmen eines Interviews auf die lyrischen und dramatischen Elemente einer Musicalübersetzung angesprochen wurde, war ich ob des Wortes „lyrisch“ doch erstaunt. Es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, dass ich Lyrik übersetze. Auch wenn die Liedtexte im Musical oft „Lyrics“ genannt werden, gibt es Unterschiede zwischen dem Übersetzen von Lyrik und dem Übersetzen von Musical-Lyrics, und zwei davon möchte ich hier vorstellen: Kontextualisierung und Singbarkeit.

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Literatur

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Anja van de Pol-Tegge über
Der Kapellekensweg oder der I. illegale Roman von Boontje von Louis Paul Boon
ein Gespräch mit Gregor Seferens über seine Neuübersetzung aus dem Niederländischen
De Kapellekensbaan gilt heute als Meilenstein der niederländischsprachigen Literatur. Während der Roman in den Niederlanden nach seinem Erscheinen positiv rezensiert wurde, war er in Flandern wegen seines experimentellen und gesellschaftskritischen Charakters lange Zeit umstritten. Das Buch fordert ästhetisch sowie inhaltlich heraus und lässt erahnen, dass sich die Aufgabe des Übersetzens nicht leicht gestaltet. Ein Gespräch mit dem Übersetzer Gregor Seferens über die Strategien, mit denen er diesen überaus vielschichtigen Roman einem deutschen Publikum zu vermitteln sucht.

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Sabrina Sandmann über
Sonnenfinsternis von Arthur Koestler
in englischer Übersetzung, Rückübersetzung und im Original
Arthur Koestler gilt als einer der bedeutendsten Autoren und Journalisten während des zweiten Weltkriegs. In seinem wohl bekanntesten Roman Sonnenfinsternis aus dem Jahr 1940 schildert er die Erfahrungen aus seiner Zeit in der Kommunistischen Partei und während des Krieges. Dazu gehören: Inhaftierung, Folterung und Beinahe-Exekution. Eine kuriose Publikationsgeschichte begleitet dieses Buch: der Roman erschien zunächst auf Englisch, da sein deutsches Original lange Zeit als verschollen galt. Später wurde die deutsche Version vom Autor selbst rekonstruiert – teils als Rückübersetzung aus dem Englischen. Doch im Jahr 2015 tauchte dann das Original wieder auf!

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Wissenschaft

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Friederike Hofert über
Ascent to Glory – How One Hundred Years of Solitude Was Written and Beame a Global Classic von Álvaro Santana-Acuña
New York: Columbia University Press
Wie wird ein Werk zum Klassiker? Die Studie Ascent to Glory – How One Hundred Years of Solitude Was Written and Beame a Global Classic von Álvaro Santana-Acuña geht dieser Frage mit Blick auf den Roman von Gabriel García Márquez nach. Friederike Hofert hat die Untersuchung gelesen zeigt in ihrer Rezension auf, wie literatursoziologische Betrachtungen den kritischen Blick auf die Literatur schärfen können.

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Vera Viehöver über
"Brüderliche Egoisten". Die Gedichtübersetzungen aus dem Spanischen von Erich Arendt und Hans Magnus Enzensberger von Claus Telge
Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2017
Übersetzer sollen sich nicht in frevelhafter Selbsterhöhung zum Autor aufschwingen, dies ist wohl einer der bekanntesten Allgemeinplätze im Diskurs über die Qualität von literarischen Übersetzungen. Besonders häufig und in zugespitzter Form begegnet man diesem Vorwurf da, wo Dichter Dichter übersetzen und eine Übersetzungssprache schaffen, die die Nähe zur eigenen poetischen Sprache nicht verleugnen kann. Claus Telge löst sich in seiner Dissertation zu den Gedichtübersetzungen Erich Arendts (1903–1984) und Hans Magnus Enzensbergers (*1929) konsequent von dieser verbreiteten normativen Sicht und spricht daher von „Autor-Übersetzern“. Nicht übersetzerische Treue interessiert ihn, sondern das Netz an Intertexten, das sich hier in besonderer Weise entspinnt.

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